Gartenfotografie

Johannisbeeren und Stachelbeeren im Gegenlicht: Leuchtende Farbtupfer vor dunklem Hintergrund

11. August 2026

Rote Johannisbeeren, die wie kleine Glasperlen an der Rispe hängen, gehören zu den dankbarsten Motiven im Juli-Garten. Sobald die tiefstehende Sonne von hinten durch die dünne Fruchthaut scheint, entsteht ein Leuchten, das man mit Blitzlicht niemals hinbekommt. Ich fotografiere diese Szenen seit Jahren an meinem eigenen Johannisbeerstrauch und weiß, wie viel dabei von der Position der Sonne und einem konsequent abgedunkelten Hintergrund abhängt.

Warum Gegenlicht bei Beeren so gut funktioniert

Johannisbeeren und Stachelbeeren haben eine dünne, halbtransparente Schale. Fällt Licht von vorne darauf, sieht man nur eine matte Oberfläche mit Reflexen. Steht die Lichtquelle jedoch hinter der Frucht, durchdringt sie das Fruchtfleisch und bringt die inneren Kerne und Adern zum Vorschein – genau dieser Effekt macht die Beeren fotografisch interessant.

Bei Stachelbeeren funktioniert das Prinzip ähnlich, allerdings ist die Schale oft etwas dicker und behaart, weshalb das Leuchten dezenter ausfällt. Grüne oder rötlich gestreifte Sorten wie 'Invicta' oder 'Hinnonmäki Rot' zeigen im Gegenlicht ein feines Aderngeflecht, das man sonst kaum wahrnimmt.

Der botanische Hintergrund kurz erklärt

Beide Sträucher gehören zur Gattung Ribes, wie man auf der Wikipedia-Seite zu Johannisbeeren nachlesen kann. Das erklärt auch, warum sich die Fototechnik für beide Arten kaum unterscheidet – die Fruchtstruktur ist vergleichbar aufgebaut, nur Farbe und Behaarung variieren.

Die richtige Tageszeit und Lichtrichtung

Die beste Zeit liegt eine Stunde vor Sonnenuntergang oder direkt nach Sonnenaufgang, wenn die Sonne flach genug steht, um seitlich hinter die Rispen zu wandern. Steht die Sonne zu hoch, wird das Licht zu hart und wirft unschöne Schlagschatten auf die Beeren selbst statt sie zu durchleuchten.

Ich stelle mich meist so, dass die Sonne knapp seitlich hinter dem Strauch steht, nicht exakt frontal – das vermeidet Streulicht direkt in der Linse und erhält trotzdem die Durchleuchtung der Früchte. An bewölkten Tagen funktioniert der Effekt kaum, weil das Licht zu diffus ist und keine klare Richtung mehr hat.

Den Hintergrund gezielt abdunkeln

Der Kontrast zwischen leuchtender Beere und dunklem Hintergrund entsteht meist nicht zufällig, sondern durch bewusste Bildgestaltung. Ich suche mir Sträucher, hinter denen sich Schatten, dichtes dunkles Laub oder ein schattiger Zaun befindet, und positioniere die Kamera so, dass genau dieser Bereich hinter den Beeren liegt.

Manchmal hilft auch ein einfaches Stück schwarzer Karton oder Stoff, das man 30 bis 50 Zentimeter hinter das Motiv hält – bei stillstehenden Ästen ohne Wind ist das gut machbar. Wer stattdessen mit natürlichen Schattenstrukturen arbeitet, findet interessante Anregungen im Artikel über Schattenmuster durch Gartenzäune und Rankgitter, dessen Prinzipien sich gut auf Beerensträucher übertragen lassen.

Blende, Verschlusszeit und Offenblende-Bokeh

Eine offene Blende zwischen f/2.8 und f/4 sorgt dafür, dass der Hintergrund weich in Dunkelheit verschwimmt, während die vorderste Beerenreihe scharf bleibt. Bei Windstille reicht eine Verschlusszeit von 1/250 Sekunde, doch an windigen Tagen sollte man auf mindestens 1/500 Sekunde gehen, weil Rispen bei Böen ständig in Bewegung sind.

Die ISO-Zahl halte ich meist zwischen 200 und 400, da Gegenlichtsituationen im Sommer noch genug Helligkeit liefern, ohne dass man ins Bildrauschen abrutschen muss. Wer mit Spiegelreflex oder spiegelloser Kamera arbeitet, sollte die Belichtungsmessung auf Spotmessung stellen und direkt auf die Beere messen – die automatische Matrixmessung überbelichtet sonst gerne den hellen Lichtsaum.

Objektivwahl und Aufnahmeabstand

Für einzelne Rispen eignet sich ein Makroobjektiv mit 90 bis 105 Millimetern Brennweite hervorragend, weil es genug Arbeitsabstand lässt, ohne den Strauch selbst zu verschatten. Ein Tele-Zoom ab 135 Millimetern funktioniert ebenfalls gut und komprimiert den Hintergrund zusätzlich, was den dunklen Bokeh-Effekt verstärkt.

Rote Johannisbeeren gegen grüne Stachelbeeren – der Farbkontrast

Rote Johannisbeeren leuchten im Gegenlicht besonders intensiv, weil ihr Farbspektrum nah am Licht der tiefstehenden Sonne liegt – ein warmer, sattroter Ton, der sich stark vom kühlen Blattgrün abhebt. Grüne Stachelbeeren dagegen verschmelzen leichter mit dem Laub, weshalb ich hier bewusst einen dunkleren, fast schwarzen Hintergrund wähle, um die feinen hellgrünen Adern sichtbar zu machen.

Wer beide Straucharten im selben Beet hat, kann den Farbkontrast direkt nebeneinander einfangen – das funktioniert besonders gut, wenn Tautropfen auf den Früchten sitzen und zusätzliche Glanzpunkte erzeugen. Erfahrungen anderer Hobbygärtner zur Sortenwahl und zum optimalen Erntezeitpunkt für fotogene Rispen findet man auch in Diskussionen auf hausgarten.net, wo viele Nutzer ihre Beetfotos und Pflegeerfahrungen austauschen.

Typische Fehler, die das Leuchten zerstören

Der häufigste Fehler ist eine zu hohe Sonnenposition, die statt Durchleuchtung nur harte Reflexe auf der Fruchtoberfläche erzeugt. Auch ein zu heller, unruhiger Hintergrund – etwa ein weißer Gartenzaun oder der Himmel – zieht den Blick sofort von der Beere weg und macht den Gegenlichteffekt zunichte.

Ein weiterer Klassiker: Überbelichtung der hellsten Lichtkanten, weil die Kamera im Automatikmodus den dunklen Hintergrund mit einbezieht und dadurch die Beere ausbrennt. Wer stattdessen manuell belichtet und sich am hellsten Punkt der Frucht orientiert, behält die feinen Farbverläufe im Fruchtfleisch.

Fazit aus der Praxis

Wer Johannisbeeren und Stachelbeeren im Gegenlicht fotografiert, braucht vor allem Geduld beim Warten auf die richtige Sonnenposition und ein wachsames Auge für den Hintergrund. Mit offener Blende, Spotmessung und einem dunklen Kontrastbereich hinter den Rispen lassen sich schon nach wenigen Versuchen Bilder erzielen, die die Beeren wie kleine leuchtende Laternen im Grün erscheinen lassen.